10 Juni 2013

chancenungleichheit und nachmittage im park.


montag..
dementsprechend schwer kam ich aus dem bett.;)

der unterricht war zwar nicht anders als sonst, trotzdem war es heute aufregend.
über das wochenende sind nämlich 7 neue deutsche gekommen.
sieben!
nur um mir zu beweisen, dass ich die namen noch kann, liste ich sie hier kurz auf..
anna, joshua, jan, viktor, leon, maja und anni.
applaus bitte:D

ab jetzt kommt fast jeden tag jemand neues.
dafür reisen aber auch richtig viele ab.
morgen ist asenas letzter tag in der schule!:/
der abschied fällt ihr glaube ich schon schwer,
doch gleichzeitig freut sie sich schon riesig auf zu hause.
klar, sie hat ja auch noch sechs wochen sommerferien vor sich.
wenn wir zurück kommen, haben wir 2 tage ferien, bevor der ernst des lebens, der schulalltag,  wieder losgeht..

ochsi hat mit den neuen in dieser reunion-stunde, wie wir sie jeden montag haben, ihre stundenpläne zusammengestellt.
(ochsi ist der etwas dumme spitzname von frau ochsenfeld, der betreuungslehrerin.
 irgendwie nennen wir sie regelmäßig ausversehen ochsenknecht, da sieht man, wie die wilden kerle unser leben verdorben haben..)


aah, ich kann die beiden nicht ausstehen.
jimi blue und wilson gonzales - ich bitte euch, was für namen!

mit einigen deutschen habe ich mich heute bereits ganz gut verstanden, manche gehen mir aber auch jetzt schon auf die nerven.
die jugendlichen hier könnten kaum unterschiedlicher sein.
es gibt die absolut selbstverliebten poser, die einen dummen spruch nach dem anderen reißen,
die infantilen, die richtig naiv und albern sind,
die schüchternen, die alleine kein wort rausbringen,
aber zum glück auch einfach wirklich nette, mit denen man viel unternehmen und reden kann.
ich finde, in seinem alltag vergisst man das immer ein bisschen,
wie verschieden die leute doch sind.
und dass es eigentlich richtig viele gibt, mit deren art man überhaupt nicht klar kommt.
denn solchen menschen geht man im normalen leben aus dem weg,
schafft sich ein umfeld aus guten freunden, die zwar auch alle nicht perfekt sind, mit denen man auch mal streitet, aber die einem niemals wirklich auf die nerven gehen.
wird man nun aber wahllos mit vielen anderen jugendlichen in einen topf geworfen, fällt einem erst auf, dass man sich die ganze zeit bloß von den komischen leuten ferngehalten hat.
geht es euch das auch so?
wenn ihr zum beispiel bei irgendwelchen jugendreisen mitfahrt?
nichtsdestotrotz werde ich darauf achten, mich hier mit allen halbwegs gut zu verstehen.
die neuen wirken noch so hilflos, wie ich bestimmt auch in den ersten tagen, dass ich mich ein bisschen um sie kümmern werde.
krass, wie schnell man auf einmal selber zu den "alten hasen" gehört!;)

maike war in der stunde heute auch da und wir mussten für sie solche fragebögen ausfüllen, damit sie weiß, worauf wir in unserer "projektwoche" lust haben.
wir sind nämlich bald so viele, dass wir nicht immer in den unterricht müssen, sondern zusammen irgendwelche künstlerischen projekte machen, um diese in einer ausstellung zu präsentieren.
mal sehen, wie das so wird..

philipp und ich, wir helden, haben uns außerdem für eine ziemlich blöde sache freiwillig gemeldet:
demnächst gibt es hier einen elternabend, an dem wir jetzt ein referat über ingelheim halten müssen.
so vor allen lehrern und eltern und schülern..:D
das wird wahrscheinlich lächerlich, wenn wir da stehen und über INGELHEIM reden, aber immerhin müssen wir keinen erfahrungsbericht am ende des austausches mehr schreiben.
wir tragen den stolz ingelheims weit in diese welt hinaus, yeah, ingelheim!:D

obwohl ich erst zwei wochen hier bin - was? schon zwei wochen! - habe ich angst, dass die zeit mir davon läuft und mir am ende noch tausend sachen einfallen, die ich unbedingt sehen wollte.
deshalb habe ich heute nachmittag noch etwas unternommen und mich lucia, nora und asena angeschlossen, die nach palermo fahren und im park chillen wollten.
das wetter war wieder richtig schön.
winter? dass ich nicht lache.
nachdem wir auf dem dach des hochhauses, in dem asena wohnt, rumgelegen und geredet haben, sind wir mit dem bus erstmal zu noras haus gefahren.




ein haus in palermo, im zentrum von buenos aires, muss so verdammt teuer sein!
und die pestalozzischule ist auch eine der teuersten privatschulen..
es ist ja schön, dass diese familien es sich leisten können, in die bildung ihrer kinder zu investieren.
das schulsystem hier ist trotzdem - und das sagen auch agus und vici - richtig schlecht und unfair.
wie ihr vielleicht wisst gibt es in argentinien staatliche und private schulen.
bei uns in deutschland gibt es zwar auch private schulen, im großen und ganzen sind wir alle aber doch gut mit unseren staatlichen schulen bedient.
hier ist das völlig anders.
die staatlichen schulen sind wirklich schlecht. 
das bildungsniveau, das die schüler erreichen, ist überhaupt nicht vergleichbar mit unserem.
jeder, der es sich irgendwie leisten kann, schickt sein kind deshalb auf eine der vielen privaten schulen.
natürlich gibt es auch hier unterschiedlich teure und gute.
die pestalozzi gehört wie gesagt zu einer der besten und trotzdem bin ich ehrlich gesagt nicht immer vom unterricht hier überzeugt.
er kommt aber zumindest an europäische standards heran. 
bitte denkt jetzt nicht, dass ich begeistert bin von deutschen schulen und unserem unterricht, aber wir können wohl halbwegs zufrieden sein.
die schule, wie ich sie in frankreich erlebt habe besispielsweise, gefällt mir noch weniger.
von der lautstärke im unterricht und der fähigkeit einiger lehrer sind öffentliche schulen in frankreich und private schulen in argentinien aber auf jeden fall vergleichbar.
deswegen finde ich das ja auch so unfair hier.
es gibt so viele kinder, die es verdient hätten eine ordentlich schulbildung zu erhalten, weil sie sich wirklich bemühen würden, diese chance aber nie erhalten.
gleichzeitig geht denjenigen, die das glück haben, eine gute schule besuchen zu können, ihre bildung am - tut mir leid - arsch vorbei.
ist das nicht unendlich traurig?
wenn ich das hier sehe, bin ich wirklich froh, dass wir die möglichkeit haben, allein durch unsere leistung, selber über unsere schullaufbahn entscheiden zu können!

später sind wir drei dann durch palermo geschlendert, richtung plaza armenia.
ich habe hier tatsächlich zum ersten mal in meinem leben frozen yogurt gegessen.
richtig richtig lecker, mir persönlich schmeckt das auch besser als normales eis.*-*


in dem park beim plaza armenia haben wir kim, lucia (wir haben hier zwei lucias),
hanno und laurenz getroffen.
obwohl ich nicht viel neues von der stadt gesehen habe, war es ein wirklich schöner nachmittag..:)
hoffentlich bleibt das wetter den ganzen "winter" durch so gut!

es tut mir leid, man erkennt echt wenig auf dem video, aber ich muss immer noch lachen, wenn ich es angucke:D


der nachhauseweg war dann aber mal wieder eine sache für sich.
ich weiß nicht, inwiefern ich das schonmal erklärt habe, aber buenos aires ist ja nicht gleich buenos aires.
es gibt einmal capitál federál, die richtige hauptstadt.
sie ist gegliedert in 48 stadtteile.
capitál federál wird mehr oder weniger von der schnellstraße avenida general paz eingegrenzt.
alles was außerhalb liegt ist dann die provinz buenos aires.
sie zieht sich etwa 100 kilometer am ufer des río de la plata entlang.
etwa 30% der argentinier wohnen in dieser metropolregion.
die provinz ist wiederum in 24 partidos geteilt, ich wohne im kleinsten partido vicente lópez.
da ich also nicht wirklich in der stadt lebe, dauert es immer richtig lange, ins zentrum oder zurück zu kommen.
ich muss schon eine bis zwei stunden einrechnen.
heute habe ich mich zwar nicht wieder verirrt und wäre beinahe in einem gefährlichen armenviertel gelandet.
trotzdem habe ich dank einer zugverspätung 2 stunden bis nach hause gebraucht..:/
die distanzen in so einem riesenland wie argentinien sind für uns europäer wirklich gewöhnungsbedürftig.



endlich in meinem bett habe ich dann nichts mehr groß gemacht, nur noch ein bisschen in dem einen buenos aires blog gestöbert, den ich euch hier bereits verlinkt hatte.

morgen wird das tanzbein geschwungen:
tangokurs!

besos,
lilian.